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Trost

Hannes hat fünf lange Nachmittage stundenlang geübt, damit er in dieser Mathearbeit ganz bestimmt besser abschneidet. Oma und Opa waren gekommen. Oma hat gekocht, sich um Emmi, die kleine Schwester gekümmert.

Und Opa hat mit ihm am Tisch gesessen,geduldig alles erklärt. Mal sorum und dann auch andersrum. Hannes hat gefragt, geschrieben, gerechnet, wieder gefragt, wieder gerechnet. Und dann hatte er es verstanden, jedenfalls dachte er das.

Zu Hause am Tisch mit Opa war es dann einfach. Hannes konnte einfach jede Aufgabe lösen, die Opa ihm stellte. Es hat sogar richtig Spaß gemacht! Letztlich mußte Opa jeden Nachmittag darauf bestehen, daß es jetzt mal raus zum Spielplatz geht. „Das Gehirn braucht Sauerstoff“, hat Opa gesagt. „Dann funktioniert es besser.“

Sie hatten viel Spaß in dieser Woche. Hannes war sich so sicher. Und jetzt schlurft er mit hängendem Kopf zur Türe rein. Oma und Opa blicken ihm gespannt entgegen. Dann haben sie jedoch ganz schnell verstanden. Ein kurzer Blick zwischen beiden, schon sind sie bei Hannes, nehmen ihn einfach in den Arm.

Hannes kommen die Tränen. Dann erzählt er, davon, daß die Aufaben so anders waren. Er hat oft nicht verstanden, was er tun sollte. Opa fragt nach. Naja, bei mehr als der Hälfte der Aufgaben lief es super. Die waren ganz leicht, genauso wie die Aufgaben hier zu Hause. Aber die anderen, die hatten es in sich. Vielleicht hatten sie das ja gar nicht geübt? Oma war in der Küche verschwunden, doch jetzt kommt sie mit einem großen Teller Schokopudding wieder. Der ist warm, mit etwas Sahne und streichelt Hannes Seele. „Nachschlag?“, fragt Oma. Ja, Hannes nimmt gern nach. Oma und Opa schmunzeln und dann hat Opa noch ein Geschenk. Eine liebevoll verpackte Schachtel. Hannes packt aus und strahlt wieder „Oh wow, der Baukasten!“. Den hat er sich doch schon so lange gewünscht. Die Welt ist wieder in Ordnung.

Oma und Opa wissen es einfach: Schokopudding und andere Geschenke sind immer gut, auch als Trost.

Die Sache mit der Gegenleistung

Geschenktes kann man behalten.
 Man bekommt es einfach so.
 Niemand will etwas dafür.

So ganz stimmt das oft nicht.

Eigentlich erwartet er Freude.
 Je nachdem wie gut das Geschenk ausgesucht war, ist diese Erwartung auch durchaus nicht so groß. Manchmal ist man einfach froh, wenn man die "Pflicht" des Schenkens erfüllt hat.

Mancher erwartet die Einhaltung von Regeln und Ritualen.
 Oma und Opa haben sich nicht lumpen lassen und schenken Marie endlich die heißersehnte  Prinzessinnen-Puppe. Die Kleine bekommt riesige Augen und kann ihr Glück kaum fassen. Sie drückt sie ganz fest an sich, schließt seelig die Augen und ist dann auch schon fast in Richtung Puppenwagen verschwunden. Da rutscht es der Mama raus "Hast du nicht etwas vergessen, Marie?" Oma winkt ab. "Laß doch, ist doch nicht so wichtig." Oma war schon immer entspannter. Marie kommt brav zurück und sagt artig "danke". Opa erwartet unbedingt ein "Danke", sonst fühlt er sich zu wenig gewürdigt. Seine Tochter weiß "was sich gehört", auch wenn Marie noch so jung ist.

Andere erwarten den bestimmungsgemäßen Gebrauch, und irgendwie auch ewige Dankbarkeit.
 "Aber Alexander, jetzt hast du die schöne Schaufel, die wir dir geschenkt haben, zerbrochen." Wieso glaubt Tante Ida denn, daß das Absicht war? Oder ist es mehr das Gefühl, daß er ihr damit etwas angetan hat? War das Geschenk so sehr ein Teil ihres Ichs. Den Vorwurf jedenfalls hat er nicht gebraucht, ihm stehen eh schon die Tränen in den Augen. Wie sollte er auch wissen, daß sie für Steintransporte ungeeignet ist. Man lernt doch nie aus.

Geschenke sollen den anderen erfreuen.
 Punkt.
 Mehr braucht es nicht.

"..., denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.
 Johann Wolfgang von Goethe

Des Wortes Herkunft und Bedeutung

Wer schenkt gibt jemandem etwas, damit derjenige es behalten kann und sich freut. Das tut der Schenkende einfach so, ohne Gegenleistung.

Das Verb schenken geht auf das althochdeutsche Verb 'skenken' zurück. Der Ursprung tauchte damit erstmals etwa in der Zeit von 750 bis 1050 n.Chr. in der hochdeutschen Schriftsprache auf.
 'Skenken' bedeutete einschenken und so war wohl auch die Ursprungsbedeutung des Verbes die des Einschenkens eines Getränkes. Erst 2- bis 300 Jahre (ca. 1250 bis 1350) später entwickelte sich aus diesem Darreichen eines Getränkes die heute verbreitete Bedeutung des Hingebens eines Geschenkes.
 Eigentlich stand dieses 'skenken' für 'das Gefäß schief halten'.
 Klar, dann schenkt es sich ja besser ein.
 Und wenn man schön schief hielt, gab es auch schonmal was umsonst?
 War der Wirt so froh, daß die Arbeit leichter von der Hand ging und vergaß darüber die Bezahlung?
 Oder war das von den Wirten eher als Aufmunterung für zwischendurch zu verstehen, damit weitergetrunken wurde und somit die Rechnung anschwoll?
 Der Kater am Morgen danach war zu jener Zeit weniger das Problem. Volksgetränk schlechthin war Bier. Dieses war so gehaltvoll, daß es einen sogar wichtigen Bestandteil der täglichen Kalorienaufnahme ausmachte.
 Doch der Alkoholgehalt war wesentlich geringer als der heutiger Biere. Es konnte also unbeschwert in großen Mengen konsumiert werden.
 Durst ist ja bekanntlich schlimmer als Heimweh. So könnte es vielleicht eher als die Gabe an einen Bedürftigen zu verstehen, dem man gern was einschenkte.
 Ja, das ist ein schöner Gedanke.

 

Schenken macht froh?!

Stressige Tage. Erschöpft.
 Gegessen. Satt.
 Gefühl der Ruhe.
 "Diesen Samstag ist Bernhards Geburtstag.
 Da brauchen wir noch ein Geschenk!"
 Hirn träge, dann geschockt.
 "Was schon Samstag? Was sollen wir denn schenken?
 Leichte Panik. Abwehr. Etwas Verzweiflung.
 Pause.
 Hirn fügt sich.
 "Ok, dann gehen wir es halt an."
 "Er macht doch immer so gern..."
 "Weißt du noch wie er von..."
 "Und dann hat er doch... Da hatten wir super Spaß."
 "Das wäre doch was!"
 Erinnerung. Lebhaftes Gespräch. Tausend Ideen.
 Freude.
 Entspannung.
 Gemeinsames aussuchen.
 "Das ist es, da wird er sich freuen. Das nehmen wir!"
 Viel Vorfreude.
 Samstag. Noch mehr Vorfreude. Aufgeregt. Wie als Kind.
 Er freut sich!
 Das Herz hüpft.
 War eine gute Woche.